Ansprache eines Entschlossenen an seine Unentschlossenheit
Hörspiel für 3 Sprecherinnen (F1, F2, F3) und sechs Sprecher (1, 2, 3, A, B, C)
Anfang des Hörspiels
| F1 | ANSPRACHE EINES ENTSCHLOSSENEN AN SEINE UNENTSCHLOSSENHEIT |
| 1 | Ich setze zu einer Ansprache |
| 2 | an |
| 3 | Mut fehlt es nicht |
| A | Ich hingegen habe kein Interesse daran, daß die Leute den Mund aufmachen |
| 1 | An Mut fehlt es |
| 2 | nicht |
| 3 | alles über sich ergehen lassen |
| B | Ich hingegen habe kein Interesse daran, das über mich ergehen zu lassen, was die Leute über sich ergehen lassen müssen |
| 1 | Nicht alles über sich |
| 2 | ergehen |
| 3 | sich in Wörtern, die mir nicht weiterhelfen können |
| C | Ich hingegen habe sehr wohl ein Interesse daran, daß die Wörter, mit denen sich die Leute helfen wollen, Wörter bleiben, die ihnen nicht helfen können |
| 1 | Ich setze zu einer Ansprache an |
| A | Und ich unterbreche Ihre Ansprache |
| 2 | Ich bin dadurch gezwungen, von dem, was ich sagen will, abzukommen. |
| B | Und ich unterbreche Sie auch noch, wenn Sie von dem, was sie sagen wollen, abkommen |
| 3 | Ich bin dadurch gezwungen, auf das, was ich sagen will, zurückzukommen |
| C | Und ich unterbreche Sie, wenn Sie sich anschicken, auf das, was Sie sagen wollen, zurückzukommen |
| 1 | Ich bin dadurch gezwungen, so zu tun, als würde ich auf das, was ich sagen will, gar nicht zurückkommen zu wollen |
| A | Und ich unterbreche Sie, damit Sie nicht so tun können als ob |
| 2 | Ich bin dadurch gezwungen, so zu tun, als könnte ich nicht unterbrochen werden |
| B | Und ich unterbreche Sie n i c h t, denn wenn Sie einmal zu so viel gezwungen sind, kommen Sie ohnedies nicht dazu, das zu sagen, was Sie sagen wollen |
| 3 | Dann kann ich zur Ansprache ansetzen |
| 2 | Ich setze mit dem Wort DA an |
| F2 | ANSPRACHE EINES ENTSCHLOSSENEN AN SEINE UNENTSCHLOSSENHEIT |
| 1 | Da wurde es mir |
| 2 | zu viel |
| 3 | Regen hat den Weg unterspült |
| C | Was wurde Ihnen zu viel? |
| 1 | Mir wurde |
| 2 | die Arbeit |
| 3 | kann auch Freude machen |
| A | Die Freude wurde Ihnen zu viel? |
| 2 | Die Freude wurde mir |
| 3 | nicht zu viel |
| 1 | reden |
| 3 | Die Arbeit wurde mir |
| 2 | zu viel |
| 1 | reden bringt Verdruß |
| B | Wann hatten Sie Verdruß? |
| 1 | Da hatte ich genug |
| 2 | Damals hatte ich genug |
| 3 | Damals, als ich genug hatte, hatte ich Verdruß |
| C | Aber Sie hatten doch auch genug Freude? |
| 2 | Ach ja |
| 3 | Ach nein |
| 1 | Ach so |
| A | Ach so, Sie wollen mir keine Antwort geben |
| 3 | O doch |
| 1 | Man hat mir die Freude genommen |
| 2 | Und ich soll Ihnen Antwort geben |
| B | Hat man Ihnen die Freude genommen, weil Sie keine Antwort geben wollten oder weil Sie zu viel Freude hatten? |
| 1 | Weder |
| 2 | noch |
| 3 | ein Gläschen |
| C | Warum weichen Sie meinen Fragen aus? |
| 3 | das geht Sie einen |
| 2 | Dreck |
| 1 | am Schuh |
| 2 | Denn Leute, die Fragen stellen, sind dieselben |
| 1 | die einem das Bein stellen, sind dieselben |
| 3 | die einen anstellen, sind dieselben |
| 1 | die Bescheinigungen ausstellen, sind dieselben |
| 3 | die alles an einem auszustellen haben, sind dieselben |
| 2 | die einen vor die Alternative stellen: |
| A | Mundhalten oder rausfliegen, was ziehen Sie vor? |