Michael Scharang

 

Einer muß immer parieren
Dokumentationen von Arbeitern über Arbeiter

Ausschnitt aus dem O-Ton-Hörspiel

Othmar: So wie jetzt die Situation ist, sehe ich keine große Erfolgsmöglichkeit,
wenn das im Radio gesendet wird. Vielleicht, wenn es ein paar Leute hören, daß man
spricht am nächsten Tag: Du, Franz, hast du gehört, gestern Abend eine Sendung
von jungen Leuten, die Probleme aus den Betrieben besprochen haben. Der wird
natürlich sagen, nein.

Ernst: Ich habe vor kurzem eine Jugendsendung gehört, da waren Interviews
mit Lehrlingen und dazwischen heiße Popmusik. Und da haben die Lehrlinge
gesagt: Ich scheiße auf alles. Aber warum sie das gesagt haben und wieso sie
diese Ausdrücke gebraucht haben, hat man nicht mehr gehört, weil die Lehrlinge
auf diese Sendung überhaupt keinen Einfluß gehabt haben. Und so ist der Eindruck
entstanden, als ob die Jugendlichen lauter stupide Menschen sind.

Otto: Als mir die Möglichkeit geboten wurde, hier mitzuarbeiten, war das erste,
was mich interessiert hat: Wer macht das? Ich habe selbst einige Male an ähnlichen
Projekten, auch an Filmaufnahmen, mitgearbeitet, und die Sendungen, die dann
entstanden sind, hatten mit unseren Vorstellungen überhaupt nichts zu tun. Das
war geradezu das Gegenteil. Denn die technischen Möglichkeiten, einem das
Wort mittels Tonband umzudrehen, sind ja enorm groß.

Othmar: Wir Co-Autoren haben das gleiche Recht wie der Autor. Wir werden
das Band dann gemeinsam auf einen Nenner bringen. Ob es ankommen wird
Oder nicht, weiß ich nicht. Ich finde, es ist eine gute Idee, auf Band zu sprechen.
Wenn man Fehler hat, kann man es wegschneiden und neu formulieren.

Autor: Davon haben wir ausgiebig Gebrauch gemacht. Wir sind nach
einem detaillierten Arbeitsplan vorgegangen, haben Thema für Thema
mehrmals diskutiert, haben umformuliert und neu formuliert, und dann
jene Formulierungen ausgesucht, die wir für die besten hielten.